Daten anonymisieren für ChatGPT: so geht es richtig
Ersetzen Sie vor dem Einfügen in ChatGPT alle direkten und indirekten Identifikatoren durch konsistente Platzhalter, bewahren Sie die Zuordnungstabelle getrennt auf und lesen Sie den Text vor dem Absenden einmal gegen. Das ist der Kern der Methode. Wer Namen durch «Kunde_A» ersetzt, anonymisiert nicht, er pseudonymisiert. Der Unterschied ist rechtlich erheblich.
Die Begriffsfalle: Platzhalter sind keine Anonymisierung
Anonym sind Daten erst, wenn sich der Personenbezug ohne unverhältnismässigen Aufwand nicht mehr herstellen lässt, von niemandem. Solange bei Ihnen eine Tabelle liegt, die «Kunde_A» wieder in «Bianchi AG» auflöst, sind die Daten pseudonymisiert. Pseudonymisierte Daten gelten unter der DSGVO wie unter dem revidierten Schweizer DSG weiterhin als Personendaten; die Pflichten aus dem Datenschutzrecht bleiben bestehen.
Für die Praxis ist das kein Grund, auf die Methode zu verzichten. Sie reduziert erheblich, was der Anbieter zu sehen bekommt, und genau darauf kommt es an. Aber nennen Sie das Ergebnis intern korrekt: pseudonymisiert. Wer gegenüber Klienten «anonymisiert» schreibt, behauptet mehr, als die Methode leistet.
Die manuelle Methode in vier Schritten
- Identifikatoren auflisten. Direkte zuerst: Namen, Adressen, IBAN und Kontonummern, E-Mail-Adressen, Telefonnummern, Geburtsdaten, AHV-Nummern. Dann die indirekten, die oft vergessen gehen: Funktion und Arbeitgeber, einmalige Beträge, Orte, Datumsangaben zu bekannten Ereignissen. Auch eine Kombination harmloser Angaben kann eine Person eindeutig machen.
- Konsistent ersetzen. Derselbe Kunde heisst im ganzen Text immer Kunde_A, dieselbe Bank immer Bank_1. So bleibt die Struktur erhalten und die Antwort brauchbar; das Modell muss wissen, dass zwei Stellen dieselbe Partei meinen, nicht, wer sie ist. Wechselnde Platzhalter zerstören genau diese Struktur.
- Zuordnungstabelle getrennt aufbewahren. Die Liste «Kunde_A = Bianchi AG» gehört in eine lokale Datei oder ins Aktensystem, nie in den Chat. Wer sie mitschickt, macht die Ersetzung im selben Moment rückgängig.
- Vor dem Absenden gegenlesen. Auch Kontext identifiziert. «Der Chefarzt in einer kleinen Bündner Gemeinde» ist nicht anonym, obwohl kein Name fällt. Lesen Sie den Text einmal mit der Frage, ob ein Aussenstehender mit etwas Recherche auf die Person käme.
Wo die Handarbeit an ihre Grenzen kommt
Für einen einzelnen Absatz funktioniert das gut. Bei Volumen kippt es. Ein Vertrag über zwanzig Seiten, ein Mailverlauf mit drei Signaturen, ein Excel-Export mit tausend Zeilen: Bei diesem Volumen rutscht von Hand verlässlich etwas durch. Der Name in der Fusszeile, die IBAN im Anhang, der Betrag, der nur bei einem einzigen Kunden vorkommt.
Indirekte Identifikatoren sind die häufigste Lücke, weil man beim Lesen auf den Inhalt achtet und nicht auf die Identifizierbarkeit. Und Disziplin nutzt sich ab; wer täglich zehnmal kopiert, prüft beim zehnten Mal nicht mehr wie beim ersten. Ist trotz Sorgfalt etwas durchgerutscht, hilft die Seite «Vertrauliche Daten in ChatGPT eingefügt» mit den nächsten Schritten.
Wann sich Automatisierung lohnt
Als Faustregel: Sobald Klienten- oder Patiententexte regelmässig in ein KI-Werkzeug wandern, ist ein automatischer Filter verlässlicher als tägliche Handarbeit. Das gilt besonders für Berufsgeheimnisträger, bei denen ein einzelner durchgerutschter Name bereits ein Problem ist. Ein brauchbares Werkzeug prüft jede Eingabe vor der Übermittlung, ersetzt konsistent, setzt die echten Werte in der Antwort wieder ein und protokolliert, was ersetzt wurde. Unabhängig davon lohnt sich die Wahl eines Anbieters, der Eingaben nicht zum Training verwendet; welche das sind, steht unter «Welche KI trainiert nicht mit Ihren Daten?».
Wie Cedreon diesen Ablauf automatisiert
Cedreon ist ein in der Schweiz entwickelter KI-Arbeitsplatz für sensible Daten und übernimmt bei jeder Nachricht die ersten drei Schritte automatisch: erkennen, konsistent ersetzen und die Zuordnung sicher verwahren. Bevor Text an den Modellanbieter geht, sucht eine Kombination aus Mustererkennung und mehrschichtiger maschineller Erkennung nach Namen, IBANs, Adressen und anderen Identifikatoren und ersetzt sie durch konsistente Platzhalter. Die Originalwerte liegen verschlüsselt in einem Tresor bei Cedreon; in der Antwort werden sie für die angemeldete Person wieder eingesetzt. Der Anbieter sieht die echten Werte nie.
Jeder Austausch landet zudem in einem nur anfügbaren, kryptografisch verketteten Protokoll, mit dem sich später belegen lässt, was das Haus verlassen hat und was vorher ersetzt wurde. Das funktioniert auch für hochgeladene Word-, Excel- und PDF-Dateien.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die Erkennung arbeitet mehrschichtig nach bestem Bemühen und ist probabilistisch. Kein Werkzeug findet sicher jeden indirekten Identifikator. Das Gegenlesen bei besonders heiklen Texten bleibt Sache des Nutzers. Wenn Sie den Ablauf an einem eigenen Text prüfen wollen: Cedreon kostenlos testen.
Häufige Fragen
- Reicht der ChatGPT Enterprise Plan oder das Deaktivieren des Modelltrainings aus?
- Diese Einstellungen begrenzen, wie OpenAI Ihre Eingaben weiterverwendet, aber der Anbieter sieht den Klartext weiterhin. Für Personendaten unter DSG oder DSGVO verlagert das die Übermittlung nur, es verhindert sie nicht. Wer die Rohwerte gar nicht erst hinausgeben will, muss vor dem Versand pseudonymisieren, etwa durch musterbasiertes Maskieren (in Cedreon: Pattern-Masking), sodass die Originale in einem verschlüsselten Tresor bleiben und der Anbieter nur die Platzhalter sieht.
- Gelten für Anwältinnen, Ärzte oder Treuhänder mit Berufsgeheimnis strengere Regeln?
- Ja. Das strafrechtlich geschützte Berufsgeheimnis gilt zusätzlich zum Datenschutzrecht, und selbst eine Entbindung durch die geheimnisberechtigte Person verpflichtet nicht zur Offenlegung; die Zustimmung einer bloss im Dokument genannten Drittperson entbindet ohnehin nicht. Platzhalter für Namen genügen hier selten, weil sich ein Mandat oft schon aus Kontext, Beträgen und Daten rekonstruieren lässt. Prüfen Sie vor jeder Nutzung, ob geheimnisrelevante Angaben überhaupt in den Prompt gehören, und halten Sie den Entscheid fest.
- Muss ich dokumentieren, welche Daten ich vor der Eingabe entfernt habe?
- Für nachweispflichtige Verarbeitungen sollten Sie festhalten, welche Angaben Sie maskiert haben und warum, damit Sie gegenüber Betroffenen oder dem EDÖB Rechenschaft ablegen können. Bei manueller Schwärzung entsteht dieser Nachweis nicht von selbst, Sie müssen ihn separat führen. Cedreon schreibt jeden Austausch in ein Protokoll, das sich nur ergänzen, aber nie ändern oder löschen lässt und kryptografisch fortlaufend verkettet ist, sodass die Maskierung nachvollziehbar bleibt.