Vertrauliche Daten in ChatGPT eingefügt: was jetzt zu tun ist
Löschen Sie die betroffene Konversation, deaktivieren Sie die Trainingsnutzung in den Dateneinstellungen und stellen Sie beim Anbieter einen Löschantrag. Dokumentieren Sie parallel, was genau eingegeben wurde, wann und wessen Daten betroffen sind. Anschliessend prüfen Sie, ob der Vorfall dem EDÖB oder, bei EU-Kundendaten, einer europäischen Aufsichtsbehörde zu melden ist. Die Eingabe können Sie nicht rückgängig machen. Den Schaden begrenzen Sie mit den folgenden Schritten.
Was mit den Daten passiert ist
Ihre Eingabe liegt jetzt auf den Servern des Anbieters; bei ChatGPT ist das OpenAI, ein US-Unternehmen. In den persönlichen Konten (kostenlos, Plus und Pro) kann der Anbieter Eingaben für das Training künftiger Modelle verwenden, sofern Sie das nicht in den Dateneinstellungen abgeschaltet haben. Für Team, Enterprise und die API gilt laut den Anbieterbedingungen: keine Verwendung für das Training.
Gelöschte Konversationen verschwinden sofort aus Ihrem Verlauf. Nach den aktuellen Anbieterbedingungen werden sie nach einer im Datenschutzhinweis genannten Frist aus den Systemen entfernt; bis dahin liegen die Daten weiter beim Anbieter, und in bestimmten Fällen (etwa gesetzliche Aufbewahrungs- oder Herausgabepflichten) kann die Speicherung länger dauern. Wie diese Verarbeitung datenschutzrechtlich grundsätzlich einzuordnen ist, behandelt «Ist ChatGPT DSGVO-konform?».
Sofortmassnahmen
Vier Schritte, in dieser Reihenfolge:
- Konversation löschen. Entfernen Sie den betroffenen Chat aus dem Verlauf. Damit beginnt die Löschfrist beim Anbieter zu laufen, und die Daten tauchen nicht mehr in Ihrem Konto auf.
- Training deaktivieren. Schalten Sie in den Dateneinstellungen die Option aus, mit der Ihre Eingaben zur Modellverbesserung verwendet werden dürfen. Das wirkt für künftige Chats; bereits übermittelte Daten holt es nicht zurück.
- Löschantrag stellen. Verlangen Sie über den Datenschutzkanal des Anbieters (das Datenschutzportal oder die in der Datenschutzerklärung genannte Kontaktadresse) die Löschung der betroffenen Personendaten. Nennen Sie Datum, Konto und Art der Daten, ohne die vertraulichen Inhalte erneut zu übermitteln.
- Vorfall dokumentieren. Halten Sie fest, was eingegeben wurde, wann, über welches Konto und wessen Daten betroffen sind, inklusive Datenkategorien wie Gesundheits- oder Finanzdaten. Diese Notiz ist die Grundlage für die Risikobeurteilung im nächsten Schritt.
Meldepflichten: EDÖB, DSGVO, Berufsgeheimnis
Nach dem revidierten Datenschutzgesetz (revDSG) ist eine Verletzung der Datensicherheit dem EDÖB zu melden, wenn sie voraussichtlich zu einem hohen Risiko für die betroffenen Personen führt. Ob diese Schwelle erreicht ist, hängt vom Einzelfall ab. Ein Kundenname in harmlosem Kontext wiegt anders als Gesundheitsdaten oder Angaben zu laufenden Verfahren. Massgeblich sind Art und Menge der Daten, der betroffene Personenkreis und die Frage, ob die Trainingsnutzung aktiv war.
Sind Personendaten von EU-Kunden betroffen, gilt zusätzlich die Meldepflicht der DSGVO. Sie ist strenger: Die Aufsichtsbehörde ist grundsätzlich binnen 72 Stunden zu informieren, ausser die Verletzung führt voraussichtlich zu keinem Risiko. Bei hohem Risiko sind auch die betroffenen Personen selbst zu benachrichtigen.
Berufsgeheimnisträger nach Art. 321 StGB, etwa Anwältinnen, Ärzte oder Notare, prüfen zusätzlich standesrechtlich, ob der Vorfall der Aufsichtskommission oder der Klientschaft offenzulegen ist. Halten Sie die Einschätzung in jedem Fall schriftlich fest, auch wenn Sie zum Schluss kommen, dass keine Meldung nötig ist. Kommt der Vorfall später ans Licht, zählt die dokumentierte Abwägung.
Prävention: Identifikatoren gehören nicht in den Prompt
Alles bisher Beschriebene ist Schadensbegrenzung. Zuverlässig ist nur, was vor dem Absenden passiert: Namen, IBANs, Adressen und andere Identifikatoren werden durch Platzhalter ersetzt, bevor der Text das Haus verlässt. Der fachliche Inhalt bleibt dabei nutzbar; das Modell braucht den echten Namen nicht, um einen Vertrag zu prüfen oder ein Schreiben zu entwerfen. Wie das von Hand und mit Werkzeugen geht, zeigt «Daten anonymisieren für ChatGPT».
Für einzelne Prompts funktioniert das manuell. Im Alltag scheitert es an der Menge: Wer täglich Dutzende Texte einfügt, übersieht irgendwann eine Passnummer im Anhang. Deshalb gehört dieser Schritt automatisiert.
Wie Cedreon das Problem angeht
Cedreon ist ein in der Schweiz entwickelter KI-Arbeitsbereich für sensible Daten. Bevor Text an einen Modellanbieter geht, wird er geprüft: Vertrauliche Angaben wie Namen, IBANs und Adressen werden per Muster-Maskierung und mehrschichtiger maschineller Erkennung gefunden und durch Platzhalter ersetzt. Die Originalwerte bleiben in einem verschlüsselten Tresor auf Cedreon-Seite; in der Antwort setzt Cedreon sie für die angemeldete Person wieder ein. Der Modellanbieter sieht die echten Werte nicht.
Jeder Austausch landet zudem in einem nur anfügbaren, hash-verketteten Prüfprotokoll. Eine Kanzlei oder ein Treuhandbüro kann damit im Nachhinein belegen, was das Haus verlassen hat und was vorher ersetzt wurde. Zur Einordnung: Die Erkennung arbeitet nach bestem Bemühen, kein Verfahren findet mit Sicherheit jeden Identifikator, und Maskierung ist Pseudonymisierung, keine Anonymisierung. Wenn Sie das mit eigenen Fällen prüfen möchten, können Sie Cedreon kostenlos testen.
Häufige Fragen
- Werden meine Eingaben auch in ChatGPT Plus, Team oder Enterprise zum Training verwendet?
- In den privaten Versionen (u. a. Free und Plus) nutzt OpenAI Ihre Eingaben nach eigenen aktuellen Angaben standardmässig zur Verbesserung der Modelle, solange Sie dies in den Datenkontrollen nicht deaktivieren. Für Team, Enterprise und den API-Zugang gilt das laut OpenAI standardmässig nicht. Prüfen Sie die aktuelle Einstellung Ihres Kontos aber selbst, da sich Voreinstellungen ändern können. Ein Bezahlabo allein schützt die Daten also nicht, denn entscheidend ist die konkrete Trainingseinstellung.
- Ändert sich etwas, wenn ich besonders schützenswerte Daten wie Gesundheits- oder Strafdaten eingegeben habe?
- Ja, das Risiko steigt deutlich, und eine Meldung wird wahrscheinlicher. Sowohl das revDSG (besonders schützenswerte Personendaten) als auch die DSGVO (besondere Kategorien wie Gesundheit, Religion, Sexualleben) knüpfen an solche Daten strengere Anforderungen, und eine Verletzung führt eher zu einer Meldepflicht gegenüber Betroffenen und Aufsichtsbehörde. Dokumentieren Sie in diesem Fall genau, welche Kategorien betroffen waren, und ziehen Sie den EDOEB-Leitfaden oder eine datenschutzrechtliche Beratung bei.
- Sind die Daten sicher weg, wenn ich die Unterhaltung und mein Konto lösche?
- Nicht unbedingt. Das Löschen entfernt die Unterhaltung aus Ihrer Ansicht und nach den aktuellen Angaben von OpenAI innerhalb der Aufbewahrungsfrist aus den produktiven Systemen, sofern keine gesetzliche oder gerichtliche Aufbewahrungspflicht besteht (solche Pflichten können die Löschung aussetzen). Inhalte können aber zwischenzeitlich verarbeitet oder protokolliert worden sein oder bei aktivem Training bereits in ein Modell eingeflossen sein, woraus sie sich nicht gezielt zurückholen lassen. Löschen ist deshalb eine Sofortmassnahme und keine Garantie, weshalb die Einschätzung der Meldepflicht auch danach nötig bleibt.