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ChatGPT und Schweizer Datenschutz: Was gilt nach dem revDSG?

Die berufliche Nutzung von ChatGPT ist in der Schweiz nicht verboten, sie untersteht aber seit dem 1. September 2023 dem revidierten Datenschutzgesetz (revDSG). Wer Personendaten in einen Prompt schreibt, bearbeitet diese Daten im Sinn des Gesetzes und muss dessen Grundsätze einhalten, insbesondere Verhältnismässigkeit, Zweckbindung und Transparenz. Dazu kommt die Bekanntgabe ins Ausland: die Daten verlassen die Schweiz in Richtung eines US-Anbieters, und dafür verlangt das Gesetz ein angemessenes Schutzniveau. Für Berufsgeheimnisträger gilt zusätzlich Art. 321 StGB, und diese Ebene ist strenger als das Datenschutzrecht.

Die Grundsätze des revDSG im Arbeitsalltag

Verhältnismässigkeit heisst: nur so viele Personendaten bearbeiten, wie der Zweck erfordert. Für die meisten Prompts braucht das Modell keinen einzigen Namen. Ein Vertragsentwurf lässt sich mit «Vermieterin» und «Mieter» prüfen, eine Buchhaltungsfrage mit «Konto A» statt einer IBAN. Was das Modell für die Antwort nicht braucht, gehört nicht in den Prompt.

Bei der Zweckbindung gilt: Daten dürfen nur zu dem Zweck bearbeitet werden, der bei der Beschaffung erkennbar war. Kundendaten wurden für die Betreuung des Kunden erhoben, nicht für das Training eines Sprachmodells. Ein vertraglicher Trainingsausschluss beim Anbieter ist deshalb eine Grundvoraussetzung.

Transparenz verlangt, dass Betroffene erkennen können, dass ihre Daten von einem KI-Anbieter bearbeitet werden. Praktisch bedeutet das eine angepasste Datenschutzerklärung, die den Einsatz solcher Dienste nennt. Setzt ein Unternehmen den Anbieter als Auftragsbearbeiter ein, braucht es zudem einen Auftragsbearbeitungsvertrag (AVV), der Weisungsbindung und Datensicherheit regelt. Der EDÖB hat klargestellt, dass das Datenschutzgesetz auch für KI-gestützte Bearbeitungen gilt und die Verantwortung beim Unternehmen bleibt, das die Daten eingibt.

Bekanntgabe ins Ausland

ChatGPT wird von einem US-Unternehmen betrieben. Das revDSG erlaubt die Bekanntgabe von Personendaten ins Ausland nur, wenn dort ein angemessener Schutz besteht. Für die USA gilt das nicht pauschal, sondern nur für Unternehmen, die unter dem Swiss-U.S. Data Privacy Framework zertifiziert sind. Fehlt die Zertifizierung, braucht es Standardvertragsklauseln oder eine andere gesetzliche Grundlage.

Geprüft wird pro Vertragspartner, nicht pro Produkt. Massgebend ist, ob die konkrete Gesellschaft, mit der Sie den Vertrag schliessen, zertifiziert ist und ob die Zertifizierung die fraglichen Daten abdeckt. Wer das nicht sicher beurteilen kann, wählt den einfacheren Weg: keine Personendaten übermitteln und den Sachverhalt in Worten beschreiben, statt Daten zu nennen. Was nie das Land verlässt, braucht keine Übermittlungsgrundlage.

Berufsgeheimnis: eine eigene Ebene

Für Anwältinnen und Anwälte, Ärztinnen und Ärzte, Revisoren und die weiteren in Art. 321 StGB genannten Berufe samt ihren Hilfspersonen gilt das Berufsgeheimnis unabhängig vom Datenschutzrecht. Eine datenschutzrechtliche Einwilligung des Kunden heilt keinen Geheimnisverrat. Wer ein Mandats- oder Patientengeheimnis einem Chatbot-Anbieter offenbart, kann sich strafbar machen, selbst wenn die Datenschutzdokumentation vollständig ist. Nötig wäre eine Entbindung durch die berechtigte Person oder die zuständige Behörde, und die liegt im Alltag praktisch nie vor. Für die Anwaltschaft haben wir die Frage separat aufgearbeitet: Dürfen Anwälte ChatGPT nutzen?

Checkliste für ein Schweizer KMU

Fünf Punkte decken den grössten Teil des Risikos ab:

Für den Fall, dass trotzdem vertrauliche Angaben in einem Prompt gelandet sind, lohnt sich ein vorbereitetes Vorgehen. Die Schritte stehen unter Vertrauliche Daten in ChatGPT eingefügt.

Wie Cedreon das angeht

Cedreon ist ein in der Schweiz entwickelter KI-Arbeitsplatz für sensible Daten. Bevor ein Text an den Modellanbieter geht, wird er geprüft: Namen, IBANs, Adressen und andere Identifikatoren werden per Muster-Maskierung und mehrschichtiger maschineller Erkennung nach bestem Bemühen gefunden und durch Platzhalter ersetzt. Die Originale bleiben in einem verschlüsselten Tresor auf Cedreon-Seite, in der Antwort werden sie für die angemeldete Person wieder eingesetzt. Der Modellanbieter sieht die echten Werte nicht.

Zwei Einschränkungen gehören dazu. Maskierung ist Pseudonymisierung, keine Anonymisierung, und die Erkennung ist probabilistisch. Kein Verfahren findet garantiert jeden Identifikator, die interne Weisung bleibt also nötig. Cedreon macht ihre Einhaltung leichter und belegbar: jeder Austausch landet in einem Audit-Log, das nur Anfügen erlaubt und jeden Eintrag kryptografisch mit dem vorherigen verkettet. Damit lässt sich später zeigen, was das Haus verlassen hat und was vorher ersetzt wurde. Guardrails formulieren Admins und Nutzer in normaler Sprache, sie laufen bei jedem Chat mit. Wer das mit eigenen Dokumenten prüfen will, kann Cedreon kostenlos testen.

Häufige Fragen

Darf ich Personendaten in die kostenlose Version von ChatGPT eingeben?
Rechtlich verbietet das revDSG die Eingabe nicht pauschal, doch bei der Gratis- und der Standard-Konsumentenversion können Ihre Eingaben nach den derzeitigen Bedingungen des Anbieters zur Modellverbesserung weiterverwendet werden (standardmässig aktiviert, abschaltbar), und jede Eingabe ist bereits eine Bekanntgabe an einen US-Anbieter. Für berufliche Personendaten sollten Sie identifizierende Angaben deshalb nicht in die Konsumentenversion tippen, sondern entweder eine Geschäftsvariante wählen, bei der ein Training mit Ihren Daten nach den aktuellen Bedingungen des Anbieters standardmässig ausgeschlossen ist, oder die Daten vor dem Senden maskieren.
Muss ich ein Bearbeitungsverzeichnis führen, wenn mein Team ChatGPT nutzt?
Das revDSG verlangt grundsätzlich ein Verzeichnis der Bearbeitungstätigkeiten. Kleinere Unternehmen sind davon weitgehend ausgenommen, doch die Ausnahme entfällt, sobald Sie besonders schützenswerte Personendaten in grösserem Umfang oder ein risikoreiches Profiling bearbeiten, was je nach Art und Umfang der Daten der Fall sein kann, etwa bei Gesundheits- oder Bonitätsdaten oder automatisierten Bewerbungsvorentscheiden. Unabhängig vom Verzeichnis lohnt es sich festzuhalten, welches KI-Werkzeug welche Datenarten verarbeitet und wohin diese fliessen, damit Sie gegenüber dem EDÖB und betroffenen Personen auskunftsfähig bleiben.
Reicht es, Namen manuell zu löschen, bevor ich einen Text an ChatGPT schicke?
Manuelles Löschen hilft, ist aber unzuverlässig: Neben Namen bleiben oft IBANs, Adressen, Fallnummern oder Kombinationen stehen, die eine Person wieder identifizierbar machen. Zudem gilt pseudonymisierter Text datenschutzrechtlich weiterhin als Personendaten, solange die Zuordnung irgendwo möglich ist, das revDSG greift also trotzdem. Cedreon kombiniert Musterabgleich mit mehrschichtiger, bestmöglicher maschineller Erkennung: Identifizierende Angaben werden vor dem Versand durch Platzhalter ersetzt, die Originale bleiben in einem verschlüsselten Datentresor, und die Antwort wird für Sie wieder eingesetzt.